Pilotlehrgang Vegetationsbrandbekämpfung der Bergwacht in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr
Einsatzstichwort: Vegetationsbrand. Kein unrealistisches Szenario, das auch in Mitteleuropa mit trockenen Wäldern und Böden zu einer tatsächlichen Gefahr geworden ist.
Um bei solchen Szenarien vorbereitet zu sein, wurde schon vor längerem die Feuerwehr Winhöring als eine der Stützpunktfeuerwehren für Waldbrandbekämpfung ausgewählt und dementsprechend vom Kreisfeuerwehrverband Altötting mit den technischen Geräten ausgestattet.
Nur wie geht man in unwegsamen Gelände, wenig zugänglich, mit weiten Förderstrecken und mit einer durchaus breiten Brandfront richtig vor? Was ist zu tun, wenn in diesem Gelände Menschen gerettet werden müssen? All das muss nicht nur in einer theoretischen oder einsatztaktischen Grundlage erarbeitet, sondern auch in echten, simulierten Situationen geübt werden.
Daher hat die Bergwacht Altötting in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Winhöring ein neues Lehrgangsformat für die Bergwacht Bayern zur Unterstützung der Feuerwehren bei Vegetationsbrandbekämpfung erarbeitet und als Pilotlehrgang nun erstmal durchgeführt. Hier wurden zusammen mit den Kameraden der Bergwacht verschiedenste Grundlagen erarbeitet, geübt und besprochen.
Hand in Hand arbeiten, das ist hier das Ziel und jeder kann in Teamarbeit von den Stärken und Expertisen des anderen profitieren. Während die Bergwacht gerade in steilen, unwegsamen und absturzgefährdeten Bereichen das Sichern und Retten übernimmt, bringt die Feuerwehr das Know-How in Lösch- und Angriffstechniken ein. Zwei perfekt aufeinander abgestimmte Partner, die sich in hier ergänzen.
Mit über 20 Teilnehmern verschiedenster Bergwachten aus ganz Süddeutschland, auch aus Baden-Württemberg, wurde unter der Federführung von Lehrgangsleiter Nico Perzl von der Bergwacht Altötting an zwei Tagen intensiv geübt.
Auf verschiedenste Praxisteile wurde das Konzept aufgeteilt. Den Start machte am Samstag zunächst die Bergwacht: Sichern von Einsatzkräften im steilen Gelände mittels Sicherungsanker an Bäumen und Seilgeländer. Dazu das Retten von verletzten Personen mit der Gebirgstrage und speziell auf Vegetationsbrände abgestimmter Seiltechnik.
Im anschließenden Praxisteil der Feuerwehr ging es zunächst einmal um eine theoretische Einführung durch Christian Kiefinger in die persönliche Schutzausrüstung, Werkzeuge und passende Löschtaktiken bei Vegetationsbränden. In einer Kiesgrube wurden diese Theorie in der Praxis geübt: Wie verwendet man das Handwerkzeug richtig um Brandschneisen zu schlagen, welche Schläuche haben welchen Einsatzzweck, wie muss eine Schlauchleitung im steilen Gelände gelegt werden, wie ist eine Schlauchleitung unter Druckbelastung passend gegen Abrutschen zu sichern?
Wie sich ein Feuer am Hang ausgebreitet, wurde durch Entzünden von ausgebreiten Stroh eindrucksvoll dargestellt. Die Kameraden der Bergwacht sind dabei nicht für das Löschen eines Brandes ausgebildet, aber es ist dennoch wichtig die Werkzeuge der Feuerwehr selbst kennen zu lernen und deren Wirkungsweise zu verstehen.
Den Abschluss des Lehrganges bildete am Sonntag eine realistische Einsatzübung. Das am Vortag Erlernte konnte in diesem Szenario direkt eingebracht werden. In der Übung wurde ein Brand von bodennaher Vegetation im Bereich eines steilen Abhangs im Wald simuliert. Feuerwehrkräfte mussten zu den Brandstellen am Seil gesichert vordringen. Dazu waren auch Verletzte und verstiegen Personen unter Zeitdruck aus dem unwegsamen Gelände zu retten.
Als Fazit kann sowohl die Bergwacht als auch die Feuerwehr auf einen gelungenen Pilotlehrgang blicken. Die Ziele, die Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen zu stärken und den Grundstein für zukünftige, erfolgreiche Vegetationsbrandbekämpfung in schwierigem Gelände zu legen, wurden erfolgreich gelegt.
Markus Gumpendobler, 2.Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Winhöring, bringt die zwei Tage des intensiven Lehrganges noch einmal auf den Punkt: „Wir von der Feuerwehr Winhöring sind stolz und dankbar, dass wir diesen Pilotlehrgang in Zusammenarbeit mit der Bergwacht Altötting begleiten durften. Die Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren vor Ort und der Bergwacht ist bei Bränden in schwierigen Geländen der Schlüssel zum Erfolg, daher ist es für uns eine großartige Sache, das Verständnis für Brandbekämpfung und Einsatztaktik der Feuerwehren bei den Bergwachten stärken zu können. Gleichzeitig konnten wir uns selbst davon überzeugen, zu welchen Leistungen die Bergwacht imstande ist, was uns bei zukünftigen Einsätzen zugutekommen wird. Wir werden das Konzept des Lehrgangs anhand der Erkenntnisse des Piloten weiter verbessern und freuen uns darauf, weitere Kurse durchführen zu können.“
[Bericht: Christian Kiefinger, Lehrgangsteilnehmer, FF Winhöring]







